08.02.2021

Von: S.Daniels

Resolution des OV Unkel-Linz-Bad Hönningen zur Schließung der Geburtsstation in Bad Honnef

Sehr geehrte(r) Herr/Frau Bürgermeister*in,

nachfolgende Resolution legen wir von Bündnis90/DIE GRÜNEN für die kommende Sitzung des ...Rates am ... zur Beratung und Beschlussfassung vor:

Als Verbandsgemeinde im Landkreis Neuwied möchten wir uns dafür einsetzen, dass das Programm "Starke Kommune - starkes Land" auch in den Randregionen des Landkreises zu dem nordrhein-westfälischen Nachbarkreisen seine Strahlkraft entfaltet. Dazu gehört die Sicherstellung der Daseinsvorsorge der Geburtshilfe durch eine wohnortnahe Geburtsstation, die innerhalb von 25 Minuten erreicht werden kann ..."

 

  1. Der Verbandsgemeinderat xyz setzt sich dafür ein, dass die Geburtenstation des Cura-Krankenhauses in Bad Honnef geöffnet bleibt bzw. wiedereröffnet wird.
  2. Die Gesundheitsversorgung für Mutter und Kind hat für die Verbandsgemeinde xyz höchste Priorität.
  3. Der Verbandsgemeinderat xyz spricht sich für eine Sicherstellung der Wahlmöglichkeiten werdender Mütter zu Geburtsort und -art (Krankenhaus, Geburtshaus, Hausgeburt) in der Region aus.
  4. Der Verbandsgemeinderat xyz setzt sich dafür ein, dass die Trägergesellschaft des Krankenhauses (Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH) ihre Entscheidung überdenkt.
  5. Der Verbandsgemeinderat xyz setzt sich auf Kreisebene für einen Antrag zur Auflegung eines Förderprogramms des Landes Rheinland- Pfalz zur Unterstützung defizitärer Geburtshilfestationen im ländlichen Raum nach dem Vorbild des Freistaates Bayern ein.

Begründung:

Nachdem die Entscheidung des Cura-Krankenhauses in Bad Honnef öffentlich bekannt gegeben wurde, hat es durch die Bevölkerung eine Petition gegeben mit dem Ziel, das Angebot der Geburtshilfe in Bad Honnef weiter aufrechtzuerhalten. Diese Petition hat innerhalb von nur 7 Tagen 5.920 Unterstützungsunterschriften erhalten, davon 2.204 aus Rheinland-Pfalz, von denen wiederum 1.975 aus dem Landkreis Neuwied kamen. Landrat Hallerbach betonte bei der Petitionsübergabe  im Krankenhaus Bad Honnef nachdrücklich die Wichtigkeit der Geburtsstation für die Gesundheitsvorsorge des nördlichen Kreises Neuwied.

In den vergangen Jahren wurden immer mehr Geburtsstationen im ländlichen Raum geschlossen, Bad Honnef ist die letzte in einer langen Liste von aus Sicht der Betreiber unrentablen Geburtsstationen.

Für die Versorgung von schwangeren Müttern und ihren ungeborenen Kindern ist ein dezentrales wohnortnahes Angebot im nördlichen Rheinland-Pfalz insbesondere für die Gemeinden Asbach, Unkel, Linz, Windhagen etc. im Kreis Neuwied unverzichtbar. Die nächstgelegenen Krankenhäuser mit geburtshilflicher Abteilung in Neuwied und/oder Bonn bzw. Troisdorf sind für viele Teile dieser Gemeinden des nördlichen Landkreises Neuwied deutlich zu weit entfernt. Allein von Asbach zur nächstgelegenen Klinik mit Geburtsstation nach Neuwied werden 41 Minuten benötigt, nach Bad Honnef waren es nur 25 Minuten. Diese fast 20 Minuten können im Notfall den Unterschied machen, ob Mutter und Kind überleben.

Die über 500 Geburten pro Jahr auf der Geburtsstation in Bad Honnef können nicht auf die umliegenden Krankenhäuser gerecht verteilt werden, da diese schon am Rande ihrer Kapazitätsgrenzen arbeiten. Geburten lassen sich auch in der Regel nicht planen, sodass eine gerechte Verteilung utopisch ist. Ein Auffangen dieser Geburten wird zwangsläufig zu einer zusätzlichen Belastung der verbleibenden Krankenhäuser mit Geburtenstationen führen.

Personalmangel und Wirtschaftlichkeit darf nicht das Entscheidungskriterium sein, die Geburtsstation in Bad Honnef zu schließen.

Es ist aus Qualitätsgründen nachvollziehbar, dass nicht jedes kleinere Krankenhaus jede OP durchführen soll, weil nur eine gewisse Routine eine angemessene Qualität sicherstellt. Die Daseinsfürsorge der Geburtshilfe ist aber keine Operation am offenen Herzen, sondern ein natürlicher Prozess, bei dem die Frauen durch Hebammen in einem geschützten Raum begleitet werden sollen.

Vergessen wird auch, dass gerade im ländlichen Bereich der Mensch dabei schnell auf der Strecke bleibt. Beim Thema Geburtshilfe wird es sogar in Ballungsräumen knapp. Eine Geburt ist nicht nur ein schönes, sondern auch ein sensibles und sehr intimes Thema. Eine Betreuung durch ein und dieselbe Hebamme vor, während und nach der Geburt sollte der Normalfall sein. Ob dies bei dem zukünftigen Modell der Geburtenverlagerung nach Bonn, Neuwied und Troisdorf gewährleistet werden kann, darf bezweifelt werden. Hinzu kommt das Problem, dass die Zahl der selbstständigen Hebammen immer mehr abnimmt, weil die Beiträge für die Haftpflichtversicherung ihnen die Luft zum Atmen nehmen und auch für die Kliniken die Haftpflichtbeiträge für Hebammen und Ärzte ein massiver Kostenfaktor sind.

Politik und Bürger sind jetzt gefragt, zusammen für „ihre“ Geburtshilfe zu kämpfen, damit werdende Mütter und deren Familien eines der intensivsten Erlebnisse des Lebens möglichst nahe an ihrem gewohnten Umfeld entspannt, stressfrei und als wirklich freudiges Ereignis erleben können ohne langen und damit riskanten Fahrten für Mutter und Kind  ausgesetzt zu werden.

Seit 2017 gibt es im unionsgeführten Bayern ein Förderprogramm mit dem Ziel, kleinere Geburtshilfeabteilungen im ländlichen Raum zu sichern. Damit werden Landkreise und kreisfreie Städte im ländlichen Raum finanziell unterstützt, die Defizite kleinerer Geburtshilfestationen auszugleichen. Der Freistaat übernimmt dabei im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel bis zu 85 Prozent des auf die Geburtshilfe entfallenden Defizits – maximal jedoch eine Million Euro je Haus. Ein vergleichbares Förderprogramm auch für die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein- Westfalen aufzulegen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung und ein wesentlicher Beitrag zu dem Programm „Starke Kommune – starkes Land“.

URL:https://gruene-unkel-linz-badhoenningen.de/startseite/news-detail/article/resolution_des_ov_unkel_linz_bad_hoenningen_zur_schliessung_der_geburtsstation_in_bad_honnef/